voice of the #socialworker

Wer interessiert unsere Homepage und unsere anderen Online Plattformen verfolgt, wird mitbekommen haben das sich zum 01.06.2019 einiges im Projekt geändert hat und das diese Veränderung das Ergebnis langjähriger Arbeit im Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, als Teil der Sozialen Arbeit im ländlichen Raum ist. Deshalb folgen nun ein paar Worte des Konzeptionsentwicklers und Alten Sozialarbeiters und der Neuen Sozialarbeiterin im Projekt!

Tobias „Pudding“ Burdukat

2012 habe ich im KJH „Come In“ der Diakonie Leipziger Land in Grimma als Sozialarbeiter angefangen und mir selbst die Mission gegeben, den immer weiter fortschreitenden Rückbau von jugendkulturellen Angebote im ländlichen Raum und den damit verbunden Drive junger engagierter Menschen in die Großstadt, entgegen zu wirken. Wichtig war mir dies weil ich mich seit meiner Jugend in irgendeinem Kampf in mir selbst befand, der nicht wollte und nicht will das Faschismus wieder die Oberhand gewinnt und der wollte das wir es als Menschen in eine andere gleichberechtigtere und damit freiere Gesellschaft schaffen.

Je älter ich wurde, desto bewusster wurde mir das dies nicht allein mit Aktivismus, demonstrieren oder dem veranstalten von Konzerten oder dem spielen in stets politischen Crossover, Hardcore oder Punk Bands möglich wird. Mit der Zeit habe ich irgendwie verstanden, dass diese Angelegenheit mit dem gesellschaftlichen Wandel und der Freiheit sowie der Gleichberechtigung doch etwas komplizierter und vor allem komplexer ist. Somit stand dann für mich auch irgendwann fest das ich zu dem notwendigen gesellschaftlichen Wandel in allen Bereichen nur einen kleinen Teil beitragen kann. Dieser Teil war und ist meine Arbeit als Sozialpädagoge im Bereich der Jugendarbeit, denn wenn hier wer Gesellschaft verändern kann dann ist es die JUGEND! Keine Politik, kein Umsturz, kein anderes politisches System und auch kein von Heut auf Morgen installiertes neues Wirtschaftssystem wird unsere Gesellschaft nachhaltig und sinnvoll verändern, sondern dies werden Jugendliche tun, die Erwachsene kritisch hinterfragen und ihnen an den Kopf werfen das es scheiße ist, wie sie mit ihrer Zukunft umgehen oder die beschließen wir haben keine Zukunft und starten eine Gegenkultur die sie dann Punk nennen. Kurzum der revolutionäre Moment Dinge auch einfach mal zu machen und noch nicht über die Konsequenzen nach zu denken ist eine Besonderheit der Jugend und die hat uns in den letzten 120 Jahren (seitdem wir von Jugend sprechen) weit gebracht was Freiheit, Gleichheit und Veränderung betrifft. Ich könnte jetzt noch tiefer gehen und das differenzierter erklären, aber das will ich hier gar nicht, sondern ich will es bewusst so verkürzt darstellen. Warum? Weil ich mich irgendwann entschieden habe Jugendarbeit als ein Möglichkeit zu sehen, wie dies bei Jugendlichen heraus gekitzelt und gefördert werden kann und ab diesem Moment hat die Idee von einem „Dorf der Jugend“ und die Möglichkeit einer Solidarischen Gesellschaft in seiner kleinsten Einheit, dem Dorf, fahrt aufgenommen.

Irgendwann kam dann so ein unterschwelliger Auftrag meiner Freunde hinzu mich mal darum zu kümmern das es auch ohne „uns“ (meint meine Generation) noch coole und Alternative Veranstaltungen und Angebote in Grimma gibt. Um dies nun irgendwie umzusetzen bot sich das Crossover Festival sehr gut an, um die Beteiligung an dem Festival soweit auf die Spitze zu treiben das es eigenverantwortlich von Jugendlichen veranstaltet wird. Seit 2018 ist dies auch der Fall. Ein gesamtes Festival wurde an eine 15 Jahre entfernte Generation übergeben und es ist genau so cool wie vor 15 Jahren, wenn nicht sogar noch cooler!

Ab dem Jahr 2014 konnte ich durch einen zufälligen Umstand für die Arbeit auch noch das Areal der Alten Spitzenfabrik in Grimma nutzen und somit dauerte es nicht lange bis im Jahr 2017 dann auch die Basiskonzeption für das Projekt fast vollständig stand, welche dann 2018 als Forschungsbericht für Jugendarbeit im ländlichen Raum über die Hochschule Mittweida veröffentlicht wurde.

Einher mit dieser Entwicklung ging ein steter Kampf gegen Widerstände innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Sozialen Arbeit und besonders innerhalb der Verwaltungen die schlussendlich auch die Finanzierung unserer Arbeit immer wieder auf’s Neue gefährden. Wie ihr jetzt sicherlich merkt arbeite ich mich Stück für Stück durch die verschiedensten Ebenen des desolaten Zustandes, in welchem sich Gesellschaft, Jugend und damit verbunden Jugendarbeit und vor allem Soziale Arbeit befindet. Wer den Anfang aufmerksam gelesen hat, weiß das irgendwo in mir ein Kampf tobt und ich einen unüberwindbaren Drang verspüre meinen Teil zur gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen, jedoch ändern sich Stück für Stück die Ebenen auf denen ich aktiv werden kann.

Vor 20 oder 15 Jahren war ich zufrieden Konzerte zu veranstalten, Musik zu machen, Nazi’s scheiße zu finden, zu demonstrieren, MC Donalds abzulehnen usw.! Vor 10 Jahren verspürte ich den Drang dies weiter geben zu wollen und wählte den Weg hin zur Jugendarbeit, um meine Faszination für Jugendkulturen und deren gesellschaftliches Potential weiter zu geben. Vor 5 Jahren nahm dies alles schon konkretere Formen an und ich habe vom „Dorf der Jugend“ gesprochen! Seit 2,5 Jahren liegt die Konzeption vor, welche durch die theoretischen Überlegungen auch übertragbar und in anderen Regionen oder hier in Grimma durch jede*n andere*n Sozialarbeiter*in umsetzbar ist. Das schöne daran ist, dass die Sozialarbeiter*innen welche damit arbeiten dies auch mit ihrer eigenen individuellen Herangehensweise umsetzen können und es somit nicht nur durch die Jugendlichen Facettenreich und vielfältig wird. Auch die jeweiligen Sozialarbeiter*innen gestalten diese Vielfalt. Ich habe 2012 oft gesagt, dass es für jede*n Sozialarbeiter*in im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Ziel sein soll sich selbst, für die jeweilige Generation, überflüssig zu machen. Heute kann ich sagen, dass ich dieses Ziel für die Generation, die heute den Kern der „Dorf der Jugend“ Crew bildet, erreicht habe und das Angebote und Veranstaltungen die während dieser Zeit durchgeführt wurden, mich und meine Tätigkeit in dem Projekt überdauern werden. Dies ist ein schönes, wenn auch zugleich befremdliches Gefühl, denn ich habe nicht gewusst ob dies tatsächlich funktioniert, sondern ich habe dies aus den theoretischen Überlegungen geschlussfolgert ohne es überprüfen zu können.

Während all den Jahren sind verdammt viele Nebenschauplätze aufgetaucht und ohne zu wissen für welchen Weg ich mich entscheide, möchte ich weiter gehen. Die Soziale Arbeit weiß nicht genau was Jugendarbeit heute noch bedeutet und Jugendarbeit weiß nicht genau was sie machen soll, Politik ignoriert Soziale Arbeit und hält sie durch ihre Förderpolitik an der kurzen Leine. Die aufstrebende AfD möchte diese sogar abschaffen und Sozialarbeiter*innen mit bis zu 2 Jahren Haft bestrafen, wenn sie sich im Bereich der außerschulischen politischen Bildung betätigen. Die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nimmt weiterhin zu und alles wird irgendwie rauer und unfreundlicher in unserer Welt. Alles obwohl es uns in den Industrieländern ziemlich gut geht und wir im weltweiten Vergleich auf einem enorm hohem Niveau jammern.

Durch den Ärger mit den regionalen politischen Vertreter*innen und besonders dem Jugendamt im Landkreis Leipzig, habe ich für mich entschieden dem regionalen Kampf für eine andere Welt den Rücken zu kehren um mich mit Menschen zu umgeben die vielleicht ähnliches wollen und die nicht die Polizei rufen wenn 22 Uhr ein Jugendlicher auf dem Skatepark zum 100sten mal am Tag seinen KickFlip übt, damit er ihn endlich steht! Für Grimma und den Landkreis ist der Aufbau des Projektes „Dorf der Jugend“ und 15 Jahre Jugendarbeit, sowie politisches Engagement das Maximum an gesellschaftlichem Beitrag und Wandel den ich leisten konnte, denn schon alleine der Fakt das Jugendliche regelmäßig neben ihrer Ausbildung oder dem Studium in Leipzig sich hier in Grimma engagieren und beteiligen bricht mit der Realität der letzten 15 Jahre. Dem Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit e.V. werde ich auch weiterhin tatkräftig bei der Verwaltung und Betreibung der Alten Spitzenfabrik und den damit verbundenen Schwierigkeiten zur Seite stehen, auch für das „Dorf der Jugend“ werde ich versuchen unserer neuen Sozialarbeiterin soviel wie möglich Arbeit abzunehmen, damit sie sich auf ihre Kernaufgabe, die Soziale Arbeit, konzentrieren kann. Niemand sollte auf sein Privatleben verzichten müssen. Ich werde mir dieses zurück holen und werde einen neuen Weg und eine neue Ebene finden um an den angesprochenen Fronten kämpfen zu können.

Ich danke allen Menschen die mich bis hier an diesen Punkt unterstützt und an mich geglaubt haben und ich bin gespannt wohin die Reise für mich geht! Besonderer Dank gilt aber all den Jugendlichen die in all den Jahren immer wieder neue Ideen hatten und die nicht müde geworden sind und all das überhaupt ermöglicht haben. Ihr habt gezeigt das eine andere Welt tatsächlich und vollkommen real möglich ist. Der Beweis seit ihr selbst und das „Dorf der Jugend“ in Grimma, mit seiner Basis an der Alten Spitzenfabrik!

…und nun ist es für mich Zeit das #socialworker Wort an Carolyn Reg’n abzugeben:

Die Hintergründe und Mitwirkenden vom „Dorf der Jugend“ lernte ich 2014 durch die Vernetzung mit dem „AJZ Leisnig e.V.“ kennen, in welchem ich ehrenamtlich aktiv war.

Vielfalt! Utopie! Freiraum! – auf dem Land! Diese Eindrücke motivierten mich 2016 mein Praxissemester (Soziale Arbeit BA – HS Mittweida) an der „Alten Spitzenfabrik“, dem Hauptareal des Projektes, zu absolvieren. Das Praktikum verschafft mir in meiner jetzigen Tätigkeit zwar einen Wissensvorsprung, um die strukturellen Verknüpfungen vor Ort zu verstehen, dennoch sehe ich mich als Einsteigerin im Bereich der Offenen Kinder – und Jugendarbeit.

Bisher war ich im Kontext der hauptamtlichen Sozialen Arbeit als Beraterin für Migrant*innen im Treibhaus e.V. Döbeln tätig. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Möglichkeit des Ausprobierens an das Treibhaus-Team

Mit meiner Rolle als Sozialarbeiterin im Projekt „Dorf der Jugend“ in Grimma fängt für mich und allen anderen Beteiligten etwas Neues an. Etwas Neues, in dem ich als Pädagogin meine mir zugehörigen Fußstapfen setzen werde, als zu versuchen in die Bisherigen zu schlüpfen. Ich freue mich auf die bevorstehende Zeit, bedanke mich wertschätzend bei den Nutzer*innen des Projektes und bei Pudding für das Vertrauen und das Potenzial, welches Sie in mir sehen.

Ich nehme die Herausforderung zuversichtlich, aufmerksam, aber auch schonend an.


Eure Carolyn

by Johanna Bahr (Presse DDJ)

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