Polit-Kolumne der Woche
003// „Braucht es dieses Gendern?!“

„Braucht es dieses Gendern?!“
Ja. Um diese Frage zunächst einmal vorweg zu nehmen, lautet meine Antwort darauf definitiv: Ja.

Doch um auch die etwaigen Zyniker und Zweifler unter uns, welche vielleicht der Meinung sind, dass es genderneutrale Sprache nur gäbe, um bestimmten Sonderzeichen wieder einen Sinn zu verleihen, zu überzeugen – hier nun eine kleine Ausführung.

Genderneutrale Sprache, oder auch geschlechtergerechte Sprache ist, würde ein Mancher* behaupten, ein Symbol der neuen Zeit. Im Grunde ist sie ein Zeichen sprachlicher Sensibilität und Aufmerksamkeit, sowohl in gesprochener, als auch geschriebener Sprache. Gekennzeichnet wird sie u.A. durch verschiedene Sonderzeichen wie hier zum Beispiel durch das < * >, aber auch < _ > und < / > sind gängige Symbole, um Mehrgeschlechtlichkeit von Worten, oder viel mehr mit den zu ihnen gehörenden lexikalischen Bedeutungen, aufzuzeigen. Und genau darin steckt der wichtigste Punkt: die lexikalische Bedeutung von Worten. Wir verwenden Worte in verschiedensten Kontexten, um Konstrukte zu erklären, die „wir“ irgendwann mal so genannt haben.

So ist es mit der Zeit geschehen, dass durch bestimmte Stereotypen über Geschlechter, gewisse Annahmen und Verteilungen, besonders auffällig im Bereich der Berufe, aufgetreten sind.

Die Bezeichnung „Polizist“ ist männlich konnotiert, die Bezeichnung „Putzfrau“ weiblich. Wir sagen „man“ muss etwas tun, wenn wir von allen Menschen sprechen sagen wir „jeder“ und nicht jede.

Natürlich ist das Grundproblem von all dem das Patriarchat. Doch da sich in den letzten Jahrhunderten herausstellte, dass es schwerer zu stürzen ist als erwartet, ist geschlechtergerechte Sprache ein guter Versuch der Dekonstruktion solcher Konzepte.

„Aber das klingt doch falsch und ist total umständlich und macht jeden schönen Text kaputt!“

Ich glaube in erster Linie verwechselst du hier „umständlich“ mit „ungewohnt“, und „falsch“ mit „anders“. Natürlich ist es etwas Neues, wenn man* jahrelang eine Sprache erlernt und gesprochen hat, in der es nicht vorgesehen ist statt „Arzt“ Ärzt*innen zu sagen. Selbstverständlich ist es ungewohnt, daran zu denken beide Geschlechter anzusprechen mit Text oder Sprache. Doch ist es das eigentlich wirklich? Ist es nicht eher eine Form der Bequemlichkeit?

Wenn du sagst du denkst sowieso alle Geschlechter mit, warum ist es dann „Quatsch“ dies auch mit Sprache zum Ausdruck zu bringen?

„Außerdem weißt du doch selbst, dass es nicht so gemeint ist, ich kein Sexist bin und das eigentliche Problem ist ja wohl nicht die Sprache, sondern das Handeln!“

Richtig. Es ist nicht das ganze Problem, aber es ist aber ein großer Teil davon. Sprache hat eine immense Wirkung, nicht nur auf betroffene Personen, auch auf die Reproduktion von Denken und Handeln. Wie bei allen anderen Diskriminierungsformen, geht es hier in erster Linie nicht um dich und deine Meinung zu dir selbst, sondern es geht um das, was du gegenüber anderen Menschen zum Ausdruck bringst. Vielleicht ist es dir egal, ob es „Maurer“ oder Maurer*innen heißt. Vielleicht hast du noch nie darüber nachgedacht, dass „man“ und „jemand“ ebenfalls nur ein Geschlecht anspricht, vielleicht ist es dir auch einfach nicht wichtig, vielleicht findest du jetzt ich bin übersensibel
– typisch Frau.

Doch bereits im Kindesalter bekommen wir alle, unabhängig des Geschlechts, diese sprachlichen Konstrukte zu spüren. „Jungs können nicht malen“; „Mädchen können kein Mathe“ sind die typischen Klischees und beginnen bereits lange vor Schuleintritt. Und das auch heute noch, obwohl schon lange bewiesen wurde, dass vor Allem in Mathematik kein Leistungsunterschied zwischen Geschlechtern erkennbar ist, sondern es lediglich am Selbstkonzept der Schüler*innen liegt.

Die Wichtigkeit von geschlechtergerechter Sprache zu verkennen, ist also geradezu gleichzusetzen mit einem Verbot für männlich-gelesene Personen lange Haare zu tragen oder weiblich-gelesenen Menschen zu sagen, sie dürften kein Informatik studieren. Das klingt absurd? Ist es auch.

Geschlechtergerechte Sprache ist Empowerment, es ist Mut, es ist Innovation. Wir müssen nicht nur genderneutral schreiben und sprechen; wir müssen verstehen, dass Geschlechter und ihre Stereotype reine Konstrukte und nicht die Norm sind.

Ein Sternchen ist da erst der Anfang.

-Saerra

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