Diese Sätze schrieb Suliman (19 Jahre) im März 2020, als Unterstützerinnen vom Dorf der Jugend in Grimma ihn über die Situation in der Gemeinschaftsunterkunft, in der er aktuell untergebracht wird, befragten. Daran angelehnt ruft nun auch die Initiative „Wannwennnichtjetzt“ dazu auf, Sammelunterkünfte aufzulösen und sich gemeinsam am Freitag, den 17.07.2020 auf dem Marktplatz in Grimma mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Während die Abwehrmaßnahmen in Europa gegen Schutzsuchende stetig verschärfen werden, sind es auch die Lebensbedingungen der Menschen, die in deutschen Sammelunterkünften untergebracht sind, die menschenrechtlich problematisch sind. In der öffentlichen Debatte erfährt die Thematik wenig Aufmerksamkeit. Zum Einen durch die räumliche Abgeschiedenheit und Isolation von Sammelunterkünften, die meist fernab des Stadtkerns in Gewerbegebieten o.ä. liegen. Zum Anderen, da die sogenannte Willkommenskultur von 2015, mit Begrüßungskomitees an Bahnhöfen, verebbten, bzw. mancherorts nie vorhanden war.

In der COVID-19 Pandemie findet sowohl die Kritik an der akuten Situation, dass Hygienemaßnahmen, Abstandregelungen etc. in Sammelunterkünften nicht eingehalten werden können oder dass zumindest Angehörige der Risikogruppen nicht evakuiert werden, Gehör, als auch die generelle Kritik an der Unterbringungssituation von geflüchteten Menschen. „Unabhängig von Hygienevorgaben in Zeiten von COVID-19, ist es nicht hinnehmbar, dass Menschen in Einrichtungen leben müssen, die über zu wenig Sanitäranlagen verfügen, es an Toilettenpapier und Seife fehlt und nur an bestimmten Tagen geduscht werden darf“, sagt Sarah, Sprecherin von „#Wannwennnichtjetzt Grimma“.

Dies ist jedoch die Situation, in denen Menschen oft über Jahre hinweg untergebracht werden, statt ihr Recht auf angemessenes Wohnen in einem „Zuhause“ gewährt zu bekommen, wie Menschenrechtsorganisationen und Flüchtlingsverbände seit Jahren fordern. „Während ich den März in meinem gemütlichen Zuhause mit einer guten Internetverbindung verbrachte, waren die Bewohnerinnen der Sammelunterkünfte in und um Grimma am Verzweifeln“, so Sarah weiter. Die Unterstützerin führt aus, dass es außer einem trostlosen kahlen Gemeinschaftsraum keine Räume für besonders schutzbedürftige Gruppen, wie beispielsweise Kinder, gibt. Es gibt weder ein Spielzimmer für die dort untergebrachte Kinder, noch einen Arbeitsraum für beispielsweise das Erledigen von Hausaufgaben, oder zum Deutschlernen.

Hinzu kommt, so die Unterstützerin, dass es in ländlichen Regionen wir Grimmaoft an solidarischer Zivilbevölkerung, bedarfsorientierten Beratungsstellen und bezahlbaren Bus- und Bahnverbindungen fehlt. Die letzten Monate verdeutlichen nochmals den Handlungsbedarf, so Sarah von Wannwennnichtjetzt: „Die aktuellen Interviews und Gespräche mit Bewohner*innen zeigen erneut deutlich, dass der Zustand nicht länger auszuhalten ist. Wir sind uns alle einig, dass auch unabhängig von der Ausnahmesituation einer Pandemie die Lebensbedingungen angeprangert werden müssen. Die Isolation in Sammelunterkünften mit einhergehender Kontrolle, Stigmatisierung, institutionelle Gewalt und Entwürdigung muss endlich aufhören!“

Um auf diese Zustände aufmerksam zu machen, ruft die Initiative „Wannwennnichtjetzt“ dazu auf, am Freitag, den 17.07.2020 von 11:00 Uhr bis 18:00 auf den Grimmaer Marktplatz zu kommen und sich gemeinsam zu informieren sowie sich in eine kritische Auseinandersetzung zu begeben.

Um gemeinsam zu fordern: „Sammelunterkünfte auflösen – jetzt!“

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